In einem Wohnhaus mit Kriechkeller in Königstein im Taunus lag die Radonkonzentration im Wohnbereich über 800 Bq/m³. Nach der Radonsanierung liegt sie unter 300 Bq/m³. Der Weg dorthin führte über Radon-Sniffing im Kriechkeller, wo an einzelnen Eintrittspfaden bis zu 5.378 Bq/m³ gemessen wurden, und endete mit einer vollflächigen Kriechkellerabdichtung samt Radon-Absaugung.
Inhalt
Die Eckdaten der Radonsanierung in Königstein im Taunus
- Objekt: Wohnhaus mit Kriechkeller in Hanglage, Königstein im Taunus (Hessen)
- Radonkonzentration im Wohnbereich vor der Sanierung: über 800 Bq/m³
- Radonkonzentration im Wohnbereich nach der Sanierung: unter 300 Bq/m³
- Königstein im Taunus ist kein Radonvorsorgegebiet
- Technik: Radon-Sniffing, Abdichten der Radon-Haupteintrittspfade, Kriechkellerabdichtung mit Radon-Absaugung

Warum eine Haushälfte Radon hat und die andere nicht
Bauliche Verbundenheit (wie gemeinsame Wände, Leitungswege oder Treppenhäuser) ist bezüglich Radon sehr kritisch, da sich das radioaktive Radon-Gas über offene Verbindungen, Fugen und den Kamineffekt von betroffenen Keller- oder Erdgeschossen leicht in der gesamten verbundenen „geschlossenen Bauweise” (zum Beispiel Doppelhaushälfte) bzw. in die verbundenen Gebäude sowie in die Nachbargebäude ausbreiten kann.
Dabei können Kuriositäten auftreten: Eine Doppelhaushälfte kann stark mit Radon belastet sein, während die andere Hälfte völlig unauffällig ist. Obwohl sich beide Hälften ein Grundstück und eine Hauswand teilen, ist die Radonkonzentration eine individuelle Eigenschaft jedes einzelnen Gebäudeteils.
Dafür gibt es 4 Gründe
- Abdichtung zum Boden: Jede Haushälfte hat eine eigene Bodenplatte oder ein eigenes Fundament. Risse, Fugen oder undichte Rohrdurchführungen in der Bodenplatte einer Hälfte lassen Radon durch, während die andere Seite dicht ist.
- Bauweise und Zustand: Nachträgliche Umbauten, veränderte Kellerabdichtungen oder unterschiedliche Materialien an den erdberührten Wänden führen zu abweichenden Radon-Eintrittswegen.
- Lüftungs- und Heizverhalten: Das Nutzerverhalten (wie oft wird gelüftet? Wie hoch sind die Besucherfrequenzen? Wie stark wird im Winter geheizt?) und der Kamineffekt durch unterschiedliches Heizen oder gar verschiedene Heizsysteme beeinflussen, wie stark radonhaltige Bodenluft aus dem Untergrund in die Gebäude angesaugt wird (konvektiver Radoneintritt).
- Geologie: Geologische kleinräumige Unterschiede: Selbst im direkten Baugrund kann die Durchlässigkeit des Bodens für Radongas auf wenigen Metern variieren. Gewissheit zur jeweiligen Radonbelastung bringt ausschließlich eine Langzeit-Messung der Raumluft in der jeweiligen Doppelhaus-Hälfte.


Die Geologie des Taunus
Der Taunus ist der südlichste Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Seine Entstehung geht auf eine Plattenkollision vor rund 325 Millionen Jahren zurück, die Variskische Orogenese gegen Ende des Unterkarbons. Das Gebirge besteht überwiegend aus gefalteten und geschieferten marinen Sedimenten des Devons, die bei der Kollision metamorph überprägt wurden.
Die 3 geologischen Zonen des Taunus
- Vordertaunus: Die schmale Nahtzone am Übergang zur Rhein-Main-Ebene weist den höchsten Metamorphosegrad auf. Durch Hitze und Druck entstanden hier Serizitgneis, Phyllit und Grünschiefer.
- Taunuskamm-Einheit: Die zentrale Zone bildet die Hauptwasserscheide mit den höchsten Erhebungen wie Großem Feldberg und Altkönig, dominiert von verwitterungsresistenten Sedimenten des Unterdevons.
- Hintertaunus und Idsteiner Senke: Die größte und nördlichste Einheit besteht aus jüngeren devonischen Tonschiefern, Sandsteinen und Grauwacken. Entlang von Störungszonen bildeten sich hydrothermale Gänge.

Leitgesteine und Minerale
Der Taunusquarzit ist das Hauptleitgestein: ein durch kieselige Bindemittel extrem stark verkitteter Sandstein des Unterdevons, fast weiß bis hellgrau, der der Erosion widersteht und die harten Kammlagen bildet. Daneben steht der Tonschiefer, ein feinblättriges Gestein aus der Metamorphose von Tonsteinen, das dem Rheinischen Schiefergebirge seinen Namen gibt.

Der Taunus besitzt eine reiche hydrothermale Mineralisation mit Brauneisenstein, Roteisenstein, Quarz-Varietäten wie Bergkristall und Chalcedon sowie Pyrit und Sideritgängen. Die Tiefentektonik reißt bis heute Aufstiegswege für kohlensäurereiche Thermal- und Mineralwasserquellen auf, die die Heilbäder am Taunusrand speisen. Wie sich Radon in einem solchen Bad zeigt, beschreibt unsere Referenz zur Radonsanierung der Badeanstalt und des Sprudelhofes im Wetteraukreis.
Radon-Sniffing im Kriechkeller des Wohnhauses
Radon-Sniffing, auch Radon-Quellensuche oder Radon-Eintrittspfadsuche genannt, ist ein physikalisches Messverfahren. Es spürt undichte Stellen, Risse und Fugen in erdberührten Bereichen auf, durch die das radioaktive Edelgas Radon aus dem Boden in die Innenräume gelangt.
Dabei saugt Dr. Binker mit einem speziellen, aktiv messenden Messgerät (Canadian-Radon-Sniffer, RAD 8, Sarad RTM 1688-2, Atmos von Radonova, AlphaS von Bertin) und einem Sniffing-Schlauch gezielt ins Gebäude (meist Keller) eindringende Bodenluft an verdächtigen Stellen ab. Die Messgeräte zeigen dann die Sniffing-Konzentrationen in Bq/m³ an. Mehr dazu auf unserer Seite zur Radon- und Thoronmessung mit Profi-Messgeräten.

Das Gebäude besitzt einen Kriechkeller: Dort sind viele Radoneintrittspfade zu erkennen und mit dem Radon-Sniffer messtechnisch zu verifizieren: 5.378 bzw. 2.165 Bq/m³.


Das Gebäude besitzt viele Rohrdurchführungen mit Radoneintrittspfaden und auch aus Steckdosen-Leerrohren kommt Radon ins Haus, was mit dem Radon-Sniffer messtechnisch verifiziert werden konnte: 3.579 bzw. 1.633 Bq/m³.


Radon-Sniffing im Kriechkeller an gepflasterten Teilbereichen und aufwändige Fugenabdichtung als eine der Abdichtmöglichkeiten: Aber es gibt einfachere und effektivere Lösungen, nämlich unsere Kriechkeller-Radon-Absaugung mit Radonsperrbahn.


Radon in Königstein im Taunus: die amtlichen Werte und unsere Messung
Königstein im Taunus liegt im Hochtaunuskreis. Die Abfrage der amtlichen Daten des Bundesamtes für Strahlenschutz am Objektstandort ergibt:
- Radonpotenzial: 51,1. Die Nachbarfelder liegen zwischen 11,6 und 35,3, das Feld um Königstein ist damit der lokale Spitzenwert.
- Radon in der Bodenluft: bis 58.500 Bq/m³
- Königstein im Taunus ist kein Radonvorsorgegebiet
- Gemeindemittel in Wohnräumen: 97 Bq/m³
Hinweis zum Gemeindemittel: Das ist ein statistischer Durchschnitt über viele Gebäude. In einzelnen Gebäuden messen wir in der Praxis regelmäßig deutlich höhere Werte.
Dieses Gebäude belegt das: Im Wohnbereich wurden vor der Sanierung über 800 Bq/m³ gemessen, im Kriechkeller an einzelnen Eintrittspfaden bis zu 5.378 Bq/m³. Das ist mehr als das 8-Fache des Gemeindemittels von 97 Bq/m³.


Die amtlichen Radonwerte für Ihre eigene Adresse erhalten Sie kostenlos, dazu 2 Kartenausschnitte und die Einschätzung von Dr. Gerhard Binker:
Kriechkellerabdichtung und Radon-Absaugung
Das Abdichten eines Kriechkellers ist eine sehr wirksame Maßnahme, um das Eindringen des radioaktiven Gases Radon in den darüberliegenden Wohnraum zu senken. Da Kriechkeller wie im aktuellen Fall oft einen offenen oder unversiegelten Erdboden besitzen, tritt Radon hier besonders leicht aus dem Boden aus und verteilt sich unter dem Gebäude und von dort in die darüberliegenden Geschosse.

Die Schritte der Radonabdichtung
- Dampfsperre verlegen: Der gesamte Erdboden im Kriechkeller wird mit einer dichten, robusten Folie (zum Beispiel einer speziellen Polyethylen-Dampfsperre) abgedeckt.
- Ränder verkleben: Die Bahnen werden an den Stößen luftdicht abgeklebt, ebenso die Ränder an den Fundamentwänden.
- Durchdringungen abdichten: Rohre, Kabel und Mauerdurchlässe werden mit elastischen Massen oder speziellen Manschetten gasdicht abgeklebt und abgedichtet.


Die Schritte der Radon-Absaugung
- Absaugung mit Radonsauger: Nach den Abdichtarbeiten wird ein Radonsauger mit Rohrsystem angeschlossen.
- Drucküberwachung: Zusätzlich wird eine Drucküberwachung eingebaut, so dass eine effektive Radon-Absaugung sichergestellt ist.
- Radon-Überwachung: Ergänzend installieren wir Radonmessgeräte, um die niedrigen Radonkonzentrationen dauerhaft zu überwachen.
Radonsauger mit Abluftrohr an der Außenwand
Die abgesaugte radonhaltige Luft wird über das Rohr ins Freie geführt. Das Video zeigt den laufenden Rohrventilator an der Außenwand.
Das Ergebnis der Radonsanierung
Vor der Sanierung lag die Radonkonzentration im Wohnbereich über 800 Bq/m³, nach der Sanierung unter 300 Bq/m³. Der gesetzliche Referenzwert von 300 Bq/m³ wird damit eingehalten. Die eingebaute Drucküberwachung und die dauerhaft installierten Radonmessgeräte zeigen, ob die Radon-Absaugung weiterhin wirkt, und erlauben es, die Absaugleistung nachzujustieren.
Königstein im Taunus ist kein Radonvorsorgegebiet, und das Gemeindemittel liegt mit 97 Bq/m³ unter dem Richtwert der WHO. Dieses Gebäude zeigt, dass beides nichts über das einzelne Haus aussagt. Radonmessung, Radon-Sniffing und Radonsanierung erhalten Sie bei uns alles aus einer Hand. Wir sind deutschlandweit für Sie im Einsatz, unter anderem in München, Nürnberg, Stuttgart, Dresden, Köln, Pforzheim und vielen weiteren Städten.
Radon-Sniffing anfragen
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Radonschutz durch Dr. Gerhard Binker – Radonfachperson
Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.
Telefon: +49 (0) 9123 9982-0
E-Mail: verwaltung@binker.de

Bildnachweis
(1) (7) (8) (9) (10) (11) Dr. Gerhard Binker · (2) Fotolia_59449376 Tom Bayer · (3) iStock-1139893524 Francesco Scatena · (4) AdobeStock_451438152 Cezanne-Fotografie · (5) AdobeStock_480431206 riebevonsehl · (6) AdobeStock_2109550095 LinearAndLoom · (12) Fotolia_100026652 vallefrias · (15) AdobeStock_2124408423 gn8 · (16) AdobeStock_469867862 Grandbrothers · (17) AdobeStock_1962417206 Ahmed · Video: AdobeStock_249333549 pbkn · (13) (14) Daten: Bundesamt für Strahlenschutz, Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende, Binker Materialschutz GmbH