Radon in Stuttgart-Killesberg – Messung, Sniffing und Radonsanierung

Der Killesberg im Stuttgarter Norden verbindet den Höhenpark mit seinem Aussichtsturm und Wohnquartiere in Hanglage. Beim Thema Radon fällt der Höhenrücken aus einem anderen Grund auf: Er trägt Schilfsandstein, eine Gesteinsschicht des Keupers, und in der Diplomatensiedlung am Killesberg wurden 2013 bis zu 2.300 Bq/m³ in Kellern dokumentiert. Der Stuttgarter Mittelwert für Wohnräume liegt bei 46 Bq/m³.

Radon am Killesberg: die amtlichen Werte

Die Werte des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) für den Killesberg, abgefragt am Höhenpark:

  • Radonpotenzial: 28,3
  • Radon in der Bodenluft: max. 46.200 Bq/m³ (geologische Einheit: Keuper)
  • Radonvorsorgegebiet: nein
  • Radon in Wohnräumen: 46 Bq/m³ im Gemeindemittel (Wert für das gesamte Stadtgebiet Stuttgart)

Der Wohnraum-Mittelwert von 46 Bq/m³ gilt für das gesamte Stadtgebiet, vom Talkessel bis zu den Höhenlagen, und liegt deutlich unter dem von der WHO empfohlenen Richtwert von 100 Bq/m³. Der Fall der Diplomatensiedlung weiter unten zeigt, wie weit einzelne Gebäude von diesem Mittel abweichen können.

Radonkarte Killesberg und Umgebung

Die Karte zeigt das Radonpotenzial im 10-Kilometer-Raster des Bundesamts für Strahlenschutz, ein einzelnes Feld deckt rund 100 Quadratkilometer ab. Der Killesberg gehört zur Landeshauptstadt Stuttgart und liegt im Feld mit dem Wert 28,3; die Stadtmitte liegt im selben Feld. In den Feldern ringsum reichen die Werte von 16,2 bis 32,3.

Für die Einordnung einer Region ist das brauchbar, für ein einzelnes Gebäude nicht: Zwei Häuser in derselben Straße können unterschiedliche Werte haben, weil Bauweise und Keller darüber entscheiden, wie viel Bodenluft eintritt. Mit unserer kostenlosen Abfrage erhalten Sie die amtlichen BfS-Werte, abgefragt an Ihrer Adresse, dazu zwei Kartenausschnitte, einen zum Radonpotenzial und einen zum Radon in der Bodenluft, und die Einschätzung Ihrer Werte von Dr. Gerhard Binker:

Der Radon-Fall Diplomatensiedlung

Am Albrecht-Dürer-Weg am Killesberg stehen 12 eingeschossige Bungalows, die der Architekt Werner Gabriel 1955/56 für Bedienstete des amerikanischen Generalkonsulats entwarf, die sogenannte Diplomatensiedlung, seit 2002 denkmalgeschützt. Die Häuser stehen auf Schilfsandstein und sind durch begehbare Versorgungsstollen miteinander verbunden.

Bei Messungen des Stuttgarter Amts für Umweltschutz im November 2011 fielen erhöhte Radonwerte auf. Die Stuttgarter Zeitung dokumentierte den Fall am 3. Dezember 2013: In Kellern wurden bis zu 2.300 Bq/m³ gemessen, in Wohnräumen bis zu 448 Bq/m³, ein Mieter maß über dem anstehenden Fels rund 3.000 Bq/m³. Zum Vergleich: Der gesetzliche Referenzwert für Aufenthaltsräume liegt bei 300 Bq/m³. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als damalige Eigentümerin kündigte Ende 2013 eine Langzeitmessung an; ein Bewohner, von Beruf Physiker, baute sich eine eigene Lüftung ein.

Der Fall kam nicht aus dem Nichts: Schon Ende der 1990er Jahre hatte die Stadt die Radonkonzentration im Boden an 40 Punkten im Stadtgebiet untersucht, 6 Standorte fielen auf, der Spitzenwert lag nach dem Bericht der Stuttgarter Zeitung am Killesberg. Für Eigentümer und Mieter am Killesberg heißt das: Erhöhte Radonwerte sind hier keine theoretische Möglichkeit, sondern gemessene Realität. Ob das eigene Haus betroffen ist, hängt von Bauweise, Keller und Untergrund ab. Wie verbreitete Haustypen der 1950er Jahre auf Radon reagieren, zeigt unser Beitrag zum Kaffeemühlenhaus.

Schilfsandstein: die Geologie des Killesbergs

Die Höhenrücken im Stuttgarter Norden, neben dem Killesberg etwa die Karlshöhe, tragen Schilfsandstein, eine Schicht des Keupers. Am Killesberg wurde der Sandstein früher in Steinbrüchen abgebaut, Aufschlüsse wie die Rote Wand und das Tal der Rosen im Höhenpark gehen auf diesen Abbau zurück.

Eine private Untersuchung („Wie kommt Uran an Stuttgarts beste Hanglagen?”, opengeiger.de, 2014/15) hat an diesen Aufschlüssen erhöhte Radioaktivität gemessen und führt sie auf uranhaltige Minerale im Schilfsandstein zurück. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ordnet die Radonwerte im Boden landesweit ein: im Norden Baden-Württembergs meist unter 20.000 Bq/m³, in der Mitte und im Süden 20.000 bis 100.000, im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb darüber. Das Killesberg-Feld liegt mit maximal 46.200 Bq/m³ in der mittleren Spanne. Mehr zum Gestein steht in unserem Beitrag Radon im Schilfsandstein, die geologische Einordnung des Talkessels in Radon in der Stuttgarter Bucht.

Vitrine mit Gesteinsproben, vorn links eine Schilfsandstein-Probe mit Namensschild, daneben Schwerspat, Syenit, Kalkspat, Korallenkalk und Trochitenkalk
Schilfsandstein im Vergleich mit weiteren Gesteinen des Keupers.

Der Schilfsandstein enthält lokal auch Thorium. Aus dessen Zerfall entsteht Thoron (Radon-220), ein zweites radioaktives Edelgas neben Radon-222, mit einer Halbwertszeit von nur rund 55 Sekunden: In Innenräumen stammt es deshalb meist direkt aus den Wänden oder dem unmittelbaren Untergrund (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz). Bei Gebäuden mit Sandsteinmauerwerk messen wir Thoron mit. Wie sich das in der Praxis zeigt, dokumentiert unsere Untersuchung zum Radon-Isotop Thoron.

Kein Radonvorsorgegebiet: was das für den Killesberg bedeutet

Baden-Württemberg hat mit Wirkung zum 15. Juni 2021 insgesamt 29 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete festgelegt, alle im südlichen und mittleren Schwarzwald. Stuttgart gehört nicht dazu. Was daraus folgt:

  • Arbeitgeber am Killesberg trifft keine gesetzliche Messpflicht für Arbeitsplätze im Keller- und Erdgeschoss. Der gesetzliche Wert von 300 Bq/m³ an Arbeitsplätzen gilt aber bundesweit. Wird er überschritten, sind Maßnahmen fällig, auch außerhalb eines Radonvorsorgegebiets.
  • Bauherren müssen beim Neubau den Zutritt von Radon erschweren. Das Strahlenschutzgesetz sieht diese Pflicht als erfüllt an, wenn der übliche Feuchteschutz nach den anerkannten Regeln der Technik eingehalten ist. Wir empfehlen weitergehende Maßnahmen wie eine Radon-Drainage unter der Bodenplatte: Feuchtigkeit ist eine Flüssigkeit, Radon ein Gas, und ein Gas ist deutlich beweglicher und findet auch Wege, die Wasser nicht nimmt. Bei der Planung unterstützt Sie unsere Radon-Beratung im Um- und Neubau.
  • Eigentümer und Mieter trifft keine Messpflicht. Hanglage, Schilfsandstein im Untergrund und der dokumentierte Fall in der Nachbarschaft sind aber 3 gute Gründe, die eigenen Räume messen zu lassen.

Die Ausweisung als Radonvorsorgegebiet folgt einem festgelegten Verfahren über Messdaten und Flächenanteile im Gemeindegebiet. Sie ist eine Verwaltungsentscheidung und sagt nichts darüber, wie viel Radon in einem einzelnen Haus ankommt. Mehr zu den Werten und zur Geologie der ganzen Stadt: Radon in Stuttgart.

Radonsanierung am Killesberg: so gehen wir vor

Am Anfang steht die Frage, wie viel Radon tatsächlich in Ihren Räumen ankommt. Das klärt eine Langzeitmessung: Kleine passive Messgeräte, sogenannte Dosimeter, liegen dafür mehrere Monate in den genutzten Räumen und werden anschließend im Labor ausgewertet. Die Messung sollte die Wintermonate einschließen, denn in der Heizsaison sammelt sich am meisten Radon im Haus: Es wird seltener gelüftet, und die aufsteigende warme Heizungsluft erzeugt einen leichten Sog, der zusätzliches Radon aus dem Boden ins Gebäude zieht. Wir stellen Ihnen die passenden Dosimeter zur Verfügung und übernehmen die Auswertung.

Zeigt die Messung erhöhte Werte, spüren wir beim Radon-Sniffing die Eintrittspfade auf: Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Schächte. Erst danach steht fest, welche Maßnahme wirkt, denn die Eintrittswege unterscheiden sich von Haus zu Haus. Auf dieser Grundlage entsteht das Sanierungskonzept, im Bestand meist eine Radon-Unterbodenabsaugung, die die radonhaltige Bodenluft unter dem Gebäude absaugt, beim Neubau eine Radon-Drainage unter der Bodenplatte. Nach der Inbetriebnahme messen wir nach, einmal mit laufender Anlage und einmal ohne: Der Vergleich zeigt unmittelbar, was die Maßnahme bewirkt. Radonmessung, Radon-Sniffing und Radonsanierung erhalten Sie bei uns alles aus einer Hand.

Ziel aller Maßnahmen ist eine nachhaltige Radon-Reduktion deutlich unter den WHO-empfohlenen Richtwert von 100 Bq/m³ – energieeffizient und langfristig wirksam.

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und vom SMUL Sachsen fortgebildete Radon-Fachperson. Die Binker Materialschutz GmbH ist eine staatlich anerkannte Messstelle des Bundesamts für Strahlenschutz für Radonmessungen. Wir sind deutschlandweit für Sie im Einsatz, rund um Stuttgart auch in Ludwigsburg, Filderstadt und Vaihingen an der Enz.

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Häufige Fragen zu Radon am Killesberg

Wie hoch sind die Radonwerte am Killesberg?

Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt für das Rasterfeld, in dem der Killesberg liegt, ein Radonpotenzial von 28,3 und in der Bodenluft maximal 46.200 Bq/m³ an (geologische Einheit Keuper). Der Mittelwert für Wohnräume liegt in Stuttgart bei 46 Bq/m³. Einzelne Gebäude können deutlich abweichen: 2013 wurden in Kellern am Killesberg bis zu 2.300 Bq/m³ dokumentiert.

Was ist der Radon-Fall der Diplomatensiedlung?

In der denkmalgeschützten Diplomatensiedlung am Albrecht-Dürer-Weg fielen bei Messungen der Stadt im November 2011 erhöhte Radonwerte auf. Die Stuttgarter Zeitung berichtete im Dezember 2013 über bis zu 2.300 Bq/m³ in Kellern und bis zu 448 Bq/m³ in Wohnräumen. Die 12 Bungalows aus den Jahren 1955/56 stehen auf Schilfsandstein und sind durch begehbare Versorgungsstollen miteinander verbunden.

Ist der Killesberg ein Radonvorsorgegebiet?

Nein. Baden-Württemberg hat mit Wirkung zum 15. Juni 2021 insgesamt 29 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete festgelegt, alle im südlichen und mittleren Schwarzwald. Der gesetzliche Referenzwert von 300 Bq/m³ für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze gilt trotzdem bundesweit, auch am Killesberg.

Wie erfahre ich die Radonwerte für mein Haus am Killesberg?

Die amtlichen BfS-Werte für Ihre Adresse erhalten Sie kostenlos über unsere Radon-Abfrage nach Postleitzahl, mit 2 Kartenausschnitten und einer Einschätzung von Dr. Gerhard Binker. Wie viel Radon tatsächlich in Ihren Räumen ankommt, klärt eine Langzeitmessung mit Dosimetern über mehrere Monate.

Radon Gutachter Dr. Gerhard Binker – Radonfachperson

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.

Standort Pforzheim:
Binker Materialschutz GmbH
über J. Thumulla
Beethovenstr. 22
D-75331 Pforzheim (Salmbach)

Telefon: +49 (0) 172 8103547
E-Mail: verwaltung@binker.de

Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

Radon ist unsichtbar und geruchlos, und die Fragen dazu sind bei jedem andere. Der eine weiß noch gar nicht, ob er betroffen ist. Der andere hat einen Messwert vor sich liegen und kann ihn nicht einordnen. Wieder andere haben schon abgedichtet oder gelüftet und stehen vor unveränderten Werten. Der Radon-Ratgeber führt Sie mit wenigen Fragen zu dem Schritt, der in Ihrer Lage sinnvoll ist.

Zum Radon-Ratgeber
Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

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Überprüfen Sie mit unserem kostenlosen Radon Risiko-Check, ob Ihr Wohnort/Standort in einer Region mit erhöhter Radon-Belastung liegt. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein und erhalten Sie eine Einschätzung auf Grundlage der offiziellen Daten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).

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