Radon in Stuttgart

Im amtlichen Durchschnitt wirkt Stuttgart unauffällig: Das Gemeindemittel für Radon in Wohnräumen liegt bei 46 Bq/m³, deutlich unter dem von der WHO empfohlenen Richtwert von 100 Bq/m³. Dokumentierte Einzelfälle in der Stadt erreichen ein Vielfaches davon, am Killesberg wurden in Kellern bis zu 2.300 Bq/m³ gemessen. Dieser Beitrag zeigt, woher dieser Unterschied kommt, welche Rolle die Stuttgarter Geologie spielt und wie Radonmessung und Radonsanierung in Stuttgart ablaufen.

Radon in Stuttgart: die amtlichen Werte

Die Werte des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), abgefragt an der Stadtmitte:

  • Radonpotenzial: 28,3. Das 10-Kilometer-Feld schließt den Talkessel und die Höhenlagen bis zum Killesberg ein
  • Radon in der Bodenluft: max. 28.000 Bq/m³ an der Stadtmitte, im Feld am Killesberg max. 46.200 Bq/m³ (geologische Einheit jeweils: Keuper)
  • Radonvorsorgegebiet: nein
  • Radon in Wohnräumen: 46 Bq/m³ im Gemeindemittel

Das Gemeindemittel ist ein Durchschnitt über viele Gebäude einer ganzen Großstadt. Wie wenig er über das einzelne Haus sagt, zeigt Stuttgart selbst: In der denkmalgeschützten Diplomatensiedlung am Killesberg wurden laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung vom Dezember 2013 in Kellern bis zu 2.300 Bq/m³ und in Wohnräumen bis zu 448 Bq/m³ gemessen, das 50-Fache des Stadtdurchschnitts. Mehr zu diesem Fall und zur Lage am Killesberg steht im eigenen Beitrag.

Radonkarte Stuttgart und Umgebung

Die Karte zeigt das Radonpotenzial im 10-Kilometer-Raster des Bundesamts für Strahlenschutz, ein einzelnes Feld deckt rund 100 Quadratkilometer ab. Die Landeshauptstadt ist ein eigener Stadtkreis und liegt im Feld mit dem Wert 28,3. In den Feldern ringsum reichen die Werte von 16,2 bis 32,3.

Für die Einordnung einer Region ist das brauchbar, für ein einzelnes Gebäude nicht: Zwei Häuser in derselben Straße können unterschiedliche Werte haben, weil Bauweise und Keller darüber entscheiden, wie viel Bodenluft eintritt. Mit unserer kostenlosen Abfrage erhalten Sie die amtlichen BfS-Werte, abgefragt an Ihrer Adresse, dazu zwei Kartenausschnitte, einen zum Radonpotenzial und einen zum Radon in der Bodenluft, und die Einschätzung Ihrer Werte von Dr. Gerhard Binker:

Die Geologie: Keuper-Stadt mit Schilfsandstein auf den Höhen

Stuttgart liegt in der Stuttgarter Bucht des Keuperberglands: Der Talkessel steht im Gipskeuper, die nördlichen Höhenrücken wie Killesberg und Karlshöhe tragen Schilfsandstein, eine Sandsteinschicht des Keupers, die früher in Steinbrüchen am Killesberg abgebaut wurde, zum Beispiel an der Roten Wand im heutigen Höhenpark. Eine private Untersuchung des Stuttgarter Ingenieurs Bernd Laquai aus dem Jahr 2014 beschreibt an solchen Schilfsandstein-Aufschlüssen messbar erhöhte Radioaktivität. Mehr zur Gesteinsschicht steht in unserem Beitrag zum Radon im Schilfsandstein, mehr zum Naturraum im Beitrag zur Stuttgarter Bucht.

Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ordnet das Land so ein: Im Norden bleibt die Radonkonzentration in der Bodenluft meist unter 20.000 Bq/m³, in der Mitte und im Süden treten 20.000 bis 100.000 Bq/m³ auf, und in Teilen des Südschwarzwalds und der Schwäbischen Alb kommen Werte über 100.000 bis 300.000, vereinzelt bis 500.000 Bq/m³ vor. Stuttgart liegt damit im Mittelfeld Baden-Württembergs, mit den beschriebenen örtlichen Ausnahmen.

Kein Radonvorsorgegebiet: was das für Stuttgart bedeutet

Baden-Württemberg hat mit Wirkung zum 15. Juni 2021 insgesamt 29 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete festgelegt, alle im südlichen und mittleren Schwarzwald. Stuttgart gehört nicht dazu. Was daraus folgt:

  • Arbeitgeber in Stuttgart trifft keine gesetzliche Messpflicht für Arbeitsplätze im Keller- und Erdgeschoss. Der gesetzliche Wert von 300 Bq/m³ an Arbeitsplätzen gilt aber bundesweit. Wird er überschritten, sind Maßnahmen fällig, auch außerhalb eines Radonvorsorgegebiets.
  • Bauherren müssen beim Neubau den Zutritt von Radon erschweren. Das Strahlenschutzgesetz sieht diese Pflicht als erfüllt an, wenn der übliche Feuchteschutz nach den anerkannten Regeln der Technik eingehalten ist. Wir empfehlen weitergehende Maßnahmen wie eine Radon-Drainage unter der Bodenplatte: Feuchtigkeit ist eine Flüssigkeit, Radon ein Gas, und ein Gas ist deutlich beweglicher und findet auch Wege, die Wasser nicht nimmt. Bei der Planung unterstützt Sie unsere Radon-Beratung im Um- und Neubau.
  • Eigentümern und Mietern ändert die fehlende Ausweisung nichts: Die dokumentierten Stuttgarter Fälle zeigen, dass es auf das einzelne Gebäude ankommt. Eine Messung der eigenen Räume schafft Gewissheit, besonders in Hanglagen und bei älteren Kellern.

Das Land unterstützt das: Die Radon-Beratungsstelle Baden-Württemberg bei der LUBW informiert Bürger kostenlos und wirbt seit Oktober 2024 mit einem eigenen Radiospot dafür, Radon messen zu lassen.

Radonsanierung in Stuttgart: so gehen wir vor

Am Anfang steht die Frage, wie viel Radon tatsächlich in Ihren Räumen ankommt. Das klärt eine Langzeitmessung: Kleine passive Messgeräte, sogenannte Dosimeter, liegen dafür mehrere Monate in den genutzten Räumen und werden anschließend im Labor ausgewertet. Die Messung sollte die Wintermonate einschließen, denn in der Heizsaison sammelt sich am meisten Radon im Haus: Es wird seltener gelüftet, und die aufsteigende warme Heizungsluft erzeugt einen leichten Sog, der zusätzliches Radon aus dem Boden ins Gebäude zieht. Wir stellen Ihnen die passenden Dosimeter zur Verfügung und übernehmen die Auswertung.

Zeigt die Messung erhöhte Werte, spüren wir beim Radon-Sniffing die Eintrittspfade auf: Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Schächte. Gerade in den Stuttgarter Hanglagen mit alten Natursteinkellern lohnt diese gezielte Suche, weil sich die Eintrittswege von Haus zu Haus unterscheiden. Auf dieser Grundlage entsteht das Sanierungskonzept, im Bestand meist eine Radon-Unterbodenabsaugung, die die radonhaltige Bodenluft unter dem Gebäude absaugt, beim Neubau eine Radon-Drainage unter der Bodenplatte. Nach der Inbetriebnahme messen wir nach, einmal mit laufender Anlage und einmal ohne: Der Vergleich zeigt unmittelbar, was die Maßnahme bewirkt. Radonmessung, Radon-Sniffing und Radonsanierung erhalten Sie bei uns alles aus einer Hand.

Ziel aller Maßnahmen ist eine nachhaltige Radon-Reduktion deutlich unter den WHO-empfohlenen Richtwert von 100 Bq/m³ – energieeffizient und langfristig wirksam.

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und vom SMUL Sachsen fortgebildete Radon-Fachperson. Die Binker Materialschutz GmbH ist eine staatlich anerkannte Messstelle des Bundesamts für Strahlenschutz für Radonmessungen. Wir sind deutschlandweit für Sie im Einsatz, rund um Stuttgart auch in Ludwigsburg, Filderstadt und Vaihingen an der Enz.

Radon in Stuttgart und Region: alle Beiträge

Für diese Themen und Orte der Region finden Sie bei uns eigene Beiträge:

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Häufige Fragen zu Radon in Stuttgart

Wie hoch ist die Radonbelastung in Stuttgart?

Das Bundesamt für Strahlenschutz weist für Stuttgart ein Radonpotenzial von 28,3 aus, in der Bodenluft bis zu 46.200 Bq/m³ im Feld am Killesberg. Das Gemeindemittel für Wohnräume liegt bei 46 Bq/m³ und damit deutlich unter dem WHO-Richtwert von 100 Bq/m³. Dokumentierte Einzelfälle liegen weit darüber.

Ist Stuttgart ein Radonvorsorgegebiet?

Nein. Baden-Württemberg hat mit Wirkung zum 15. Juni 2021 insgesamt 29 Gemeinden als Radonvorsorgegebiete festgelegt, alle im südlichen und mittleren Schwarzwald. Stuttgart gehört nicht dazu.

Warum ist Radon am Stuttgarter Killesberg ein Thema?

Die nördlichen Höhenrücken Stuttgarts tragen Schilfsandstein, an dessen Aufschlüssen eine private Untersuchung erhöhte Radioaktivität beschreibt. In der Diplomatensiedlung am Killesberg wurden laut Stuttgarter Zeitung 2013 in Kellern bis zu 2.300 Bq/m³ gemessen.

Was sagt das Gemeindemittel von 46 Bq/m³ über mein Haus?

Wenig. Es ist ein Durchschnitt über viele Gebäude einer ganzen Großstadt. Wie viel Radon in Ihren Räumen ankommt, entscheiden Baujahr, Kellerausführung, Zustand der erdberührten Bauteile und Lüftung. Gewissheit bringt eine Langzeitmessung im Gebäude.

Radon Gutachter Dr. Gerhard Binker – Radonfachperson

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.

Standort Pforzheim:
Binker Materialschutz GmbH
über J. Thumulla
Beethovenstr. 22
D-75331 Pforzheim (Salmbach)

Telefon: +49 (0) 172 8103547
E-Mail: verwaltung@binker.de

Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

Radon ist unsichtbar und geruchlos, und die Fragen dazu sind bei jedem andere. Der eine weiß noch gar nicht, ob er betroffen ist. Der andere hat einen Messwert vor sich liegen und kann ihn nicht einordnen. Wieder andere haben schon abgedichtet oder gelüftet und stehen vor unveränderten Werten. Der Radon-Ratgeber führt Sie mit wenigen Fragen zu dem Schritt, der in Ihrer Lage sinnvoll ist.

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Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

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