Ist alleiniges Lüften gegen Radon wirklich effektiv?

Lüften ist die erste Empfehlung, die Betroffene überall lesen, wenn erhöhte Radonwerte im Haus gemessen wurden. Und tatsächlich: Stoßlüften senkt die Radonkonzentration in der Raumluft schnell und spürbar. Nur leider nicht für lange. Da Radon ständig aus dem Boden nachströmt, steigen die Werte nach dem Schließen der Fenster rasch wieder an. Fachleute nennen das den Nachholeffekt: Der Unterdruck im Keller saugt das Radon permanent aus dem Erdreich an. Dieser Beitrag zeigt, was Lüften wirklich leistet, wo seine Grenzen liegen und welche Maßnahmen die Radonbelastung dauerhaft senken.

Warum reicht Lüften gegen Radon nicht aus?

Lüften ist Radon-Verdünnung statt Radon-Beseitigung. Durch regelmäßiges Stoß- und Querlüften wird die radonbelastete Raumluft kurzzeitig mit frischer Luft verdünnt. Die Ursache des Problems, der ständige Eintritt des Radon-Gases aus dem Untergrund ins Gebäude, bleibt dabei bestehen. Hinzu kommt die Lüftungsdisziplin: Im Sommer mag regelmäßiges Lüften noch umsetzbar sein, im Winter bei Minusgraden lüftet kaum jemand alle paar Stunden, dabei ist gerade dann die Radonbelastung am höchsten.

Der entscheidende Faktor für die Menge des einströmenden Radons ist der Unterschied zwischen dem Luftdruck draußen und im Gebäudeinneren.

Je ausgeglichener die Druckverhältnisse, desto weniger Radon kann ins Haus gelangen. Ein Unterdruck im Haus sollte deshalb vermieden werden. Genau den erzeugen aber viele Alltagshelfer: Ventilatoren in Bad und WC, Ablufthauben in der Küche, dazu der thermische Auftrieb in Öfen und Kaminen. Schaltet man sie ab, drohen dafür Schimmelprobleme. Ein klassisches „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“-Dilemma, das sich mit Lüften allein nicht auflösen lässt.

Radioaktiver Staub: die unterschätzte Folge von Radon im Haus

Sobald die Fenster wieder geschlossen sind, reichert sich das radioaktive Radon-Gas meist schon nach kurzer Zeit wieder an, dazu kommt der Eintritt von Thoron. Beide Gase zerfallen radioaktiv und hinterlassen radioaktiven Staub. Wer belastete Kellerräume nutzt, wirbelt diesen Staub auf und atmet ihn ein. Ein ernstzunehmender Faktor ist dabei das Zerfallsprodukt Blei-210.

Hinweis: In stark radonbelasteten Kellern liegt die Aktivität von Blei-210 im Hausstaub typischerweise im Bereich von 33 bis 350 Bq/kg. Dieser Wert korreliert direkt mit der Radonkonzentration in der Raumluft und dient in der Strahlenforschung als rückblickender Indikator für eine langjährige Radon-Belastung (Quellen siehe unten).

Was kostet Dauerlüften im Winter? Radon ablüften heißt Wärme hinausheizen

In den kalten Monaten ist ständiges Lüften energetisch ineffizient und treibt die Heizkosten in die Höhe. Ausgerechnet im Winter ist die Radonbelastung in Gebäuden am höchsten: Der sogenannte Kamineffekt, bei dem warme Luft im Gebäude aufsteigt und im Keller einen Sog erzeugt, zieht das Radon-Gas permanent aus dem Boden ins Haus. Gekippte Fenster im Keller verstärken diesen Sog sogar noch. Wenn überhaupt, dann kurzes Stoßlüften: Das vermeidet auch die Winterkondensation, die zu Schimmelbildung führt.

Der bessere Weg: Radon-Eintrittspfade finden und schließen

Wer über Wochen oder Monate hohe Radonwerte gemessen hat, sollte die Eintrittspfade schließen lassen. Häufig dichten Eigentümer nur die auffälligsten Kelleröffnungen ab, etwa offene Leerrohre, und meist mit ungeeigneten, nicht radondichten Abdichtmassen. Deshalb sollte als erste Maßnahme ein professionelles Radon-Sniffing ausgeführt werden: Mit schnell detektierenden Messgeräten werden zum Beispiel die Kellerräume nach allen möglichen Radonpassagen abgesucht. Danach werden Risse, Fugen und Rohrdurchführungen im erdberührenden Mauerwerk radondicht verschlossen.

Was tun, wenn Lüften gegen Radon nicht ausreicht? Die Gebäudeanalyse

Reicht Lüften nicht aus, führt der Weg über eine intensive Gebäudeanalyse. Das ist eine professionelle, technische Untersuchung des Hauses, um herauszufinden, wo und wie das radioaktive Gas Radon aus dem Untergrund in die Innenräume gelangt. Sie ist die direkte Vorbereitung für gezielte und wirksame Sanierungsmaßnahmen.

Wesentlicher Schritt der Gebäudeanalyse durch Dr. Gerhard Binker und seine Radon-Sachverständigen ist die Radon-Leckagesuche, das Radon-Sniffing: Mit mobilen, direkt anzeigenden Messgeräten wie dem AlphaSniffer, RAD 8 oder SARAD RTM 1688-2 werden die Schwachstellen an erdberührenden Bauteilen abgesucht.

Typische Radon-Eintrittspfade sind Risse in der Bodenplatte, undichte Kabel- und Rohrdurchführungen, offene Fugen, Kellertür-Zargen, Schächte und Gullys. Für einfache Wohngebäude genügt dieses Verfahren oft schon, um ein Sanierungskonzept abzuleiten. Übertreiben sollte man es dabei nicht: 70 Sniffing-Messpunkte für den Keller eines Einfamilienhauses sind deutlich zu viel. Die Kosten sollte man stets im Blick behalten.

Die Radon-Gebäudeanamnese umfasst darüber hinaus 3 wesentliche Schritte

  1. Bauwerksdaten, Bauweise und Zustand: Prüfung von Fundament, Kellerwänden, Bodenplatte und Fugen auf Risse und Undichtigkeiten
  2. Haustechnik: Kontrolle von Kabelschächten, Rohrleitungen und Abflüssen, oft die Haupteintrittspfade für Radon
  3. Lüftungs- und Heizverhalten: Wie zirkuliert die Luft im Gebäude, wo entstehen Kamineffekte und Druckunterschiede?

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Bei Bedarf oder in komplexen Gebäuden ergänzen zeitaufgelöste Echtzeit- und Differenzmessungen das Bild: Elektronische Radonmonitore wie Alphaguard, Alpha S, RadonMapper oder RadonScout überwachen die Radonkonzentration in mehreren Stockwerken gleichzeitig und im Tagesverlauf. So werden Schwankungen sichtbar, die durch tägliche oder saisonale Änderungen im Nutzungs- und Lüftungsverhalten, durch Wetterlagen oder besondere Ereignisse entstehen. Die Binker Materialschutz GmbH verfügt über rund 70 zeitauflösend messende Radon-Messgeräte und damit über einen der größten Messgerätebestände in Deutschland und Österreich.

Die Radon-Unterbodenabsaugung: die dauerhafte Lösung

Zeigt die Gebäudeanalyse, dass einfache Abdichtungen nicht reichen, was oft der Fall ist, kommen technische Lösungen zum Einsatz. Die von uns am häufigsten eingesetzte Sanierungsmethode, gerade wenn eigene Gegenmaßnahmen wie das händische Lüften fehlgeschlagen sind, ist die Radon-Unterbodenabsaugung: Ein System aus Rohren und Radonsaugern saugt das Radon aus dem Untergrund ab, bevor es in die Innenräume gelangen kann. Mit unserer patentierten Tracergas-Methode finden wir zuvor die optimalen Absaugpunkte.

So funktioniert die Unterbodenabsaugung

  • Druckabsenkung: Der Druck im Unterboden wird unter den Druck im Gebäudeinneren gesenkt. Das Radon bleibt überwiegend im Untergrund und kann nicht mehr ins Gebäude eindringen
  • Aktive Absaugung: Radonsauger oder Radonturbinen saugen die belastete Luft aus dem Unterboden ab und leiten sie ins Freie
  • Kontinuierliche Überwachung: Auf Wunsch überwachen Sensoren die Radonwerte dauerhaft und passen die Leistung selbsttätig an. Das schützt die Gesundheit der Bewohner und durch die Feuchteabfuhr im Untergrund auch die Bausubstanz

Ziel aller Maßnahmen der Binker Materialschutz GmbH ist die dauerhafte Reduktion der Radonkonzentration unter den von der WHO empfohlenen Richtwert von 100 Bq/m³, energieeffizient und langfristig wirksam. Statt Wärme zum Fenster hinauszuheizen, wird die Ursache beseitigt.


Weitere Informationen:

Radon Gutachter Dr. Gerhard Binker – Radonfachperson

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.

Standort Nürnberg: Hauptsitz Lauf

Binker Materialschutz GmbH
Westendstraße 3
D – 91207 Lauf bei Nürnberg

Telefon: +49 (0) 9123 9982-0
E-Mail: verwaltung@binker.de

Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

Radon ist unsichtbar und geruchlos, und die Fragen dazu sind bei jedem andere. Der eine weiß noch gar nicht, ob er betroffen ist. Der andere hat einen Messwert vor sich liegen und kann ihn nicht einordnen. Wieder andere haben schon abgedichtet oder gelüftet und stehen vor unveränderten Werten. Der Radon-Ratgeber führt Sie mit wenigen Fragen zu dem Schritt, der in Ihrer Lage sinnvoll ist.

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Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

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Überprüfen Sie mit unserem kostenlosen Radon Risiko-Check, ob Ihr Wohnort/Standort in einer Region mit erhöhter Radon-Belastung liegt. Geben Sie Ihre Postleitzahl ein und erhalten Sie eine Einschätzung auf Grundlage der offiziellen Daten des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).

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Quellennachweis: Hegenbart et al.: In-vivo-Nachweis von Blei-210 im menschlichen Körper als retrospektiver Indikator für hohe Radonexpositionen (LUBW), Chen et al.: 210Pb concentration in household dust, Radiat Environ Biophys 48 (2009), Haninger et al.: Indoor air as an important source for 210Pb accumulation in man, Radiat. Prot. Dosim. 87 (2000), Walther und Wershofen: PTB-Mitteilungen 124 (2014), Heft 1.

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