Radon im Harz: Radonvorsorgegebiete, Messung und Sanierung

Niedersachsen hat im Harz seine einzigen 3 Radonvorsorgegebiete ausgewiesen: Braunlage, Clausthal-Zellerfeld und die Stadt Goslar. Das Bundesamt für Strahlenschutz misst für Braunlage ein Radonpotenzial von 88,8, einen Wert weit über der obersten Stufe der BfS-Skala, die bei 50 endet. Dieser Beitrag zeigt, was das für Eigentümer, Arbeitgeber und Bauherren im Harz bedeutet, wie Sie Ihre eigene Belastung feststellen und welche Wege bei erhöhten Werten zum Ziel führen.

Warum der Harz eine Radonregion ist

Radon entsteht beim Zerfall von Uran im Untergrund. Wie viel davon aus dem Boden aufsteigt, hängt vom Gestein ab. Im Harz treffen gleich mehrere ungünstige Faktoren zusammen: das Granitmassiv um den Brocken, Schiefer und Grauwacken aus Devon und Karbon sowie unzählige Klüfte, Störungen und Stollen aus mehr als 1.000 Jahren Bergbau. Sie alle schaffen Wegsamkeiten, über die radonhaltige Bodenluft bis an die Oberfläche und in Gebäude gelangt.

Wie eng Uran und Harz zusammenhängen, hat der Goslarer Geologe Dr. Friedhart Knolle im Juni 2026 in einem Vortrag beim Heimat- und Geschichtsverein Herzberg am Harz dargestellt: Im Harz wurde einst gezielt nach Uran gesucht, selbst das Erz des Rammelsbergs enthält Uranspuren, und der Kupferschiefer weist eine vergleichsweise hohe Radioaktivität auf. Als hochbelastet gilt demnach besonders die Region Langelsheim, Goslar und Bad Harzburg bis ins Mansfelder Land, dazu Teile des Südharzes und die Region Duderstadt in Südniedersachsen.

Im Hochharz weist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) Radonkonzentrationen in der Bodenluft von über 100.000 Bq/m³ aus.

Wie gefährlich ist Radon?

Nach Angaben des BfS verursacht Radon etwa die Hälfte der natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland, und das Einatmen von Radon zählt nach dem Rauchen zu den größten Risiken, an Lungenkrebs zu erkranken. Das Gas selbst wird größtenteils wieder ausgeatmet. Gefährlich sind seine kurzlebigen Zerfallsprodukte: Sie lagern sich in der Lunge ab und geben dort Alphastrahlung direkt an das Gewebe ab.

Dass hohe Radonbelastung krank macht, ist gerade im Harz keine abstrakte Erkenntnis: Bergleute unter Tage atmeten besonders viel Radon ein und trugen ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Die WHO empfiehlt deshalb, die Radonkonzentration in Innenräumen unter einem Richtwert von 100 Bq/m³ zu halten.

Die 3 Radonvorsorgegebiete im Harz

Am 23. Dezember 2020 hat Niedersachsen auf Grundlage von Paragraf 121 des Strahlenschutzgesetzes die Kommunen Braunlage, Clausthal-Zellerfeld und Goslar zu Radonvorsorgegebieten erklärt. Dort ist zu erwarten, dass die Radonkonzentration in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden den gesetzlichen Wert von 300 Bq/m³ überschreitet. Die amtlichen Werte des BfS, abgefragt an der jeweiligen Ortsmitte:

Braunlage

  • Radonpotenzial: 88,8, weit über der obersten Stufe der BfS-Skala (über 50)
  • Radon in der Bodenluft: max. 61.100 Bq/m³
  • Radon in Wohnräumen: 157 Bq/m³ im Gemeindemittel, deutlich über dem WHO-Richtwert von 100 Bq/m³

Clausthal-Zellerfeld

  • Radonpotenzial: 34,7
  • Radon in der Bodenluft: max. 98.100 Bq/m³
  • Radon in Wohnräumen: 120 Bq/m³ im Gemeindemittel, ebenfalls über dem WHO-Richtwert

Goslar (Stadt)

  • Radonpotenzial: 10,7
  • Radon in der Bodenluft: max. 128.300 Bq/m³, der höchste Bodenluftwert der 3 Orte
  • Radon in Wohnräumen: 59 Bq/m³ im Gemeindemittel

Ein Gemeindemittel ist ein statistischer Durchschnitt über viele Gebäude. In einzelnen Häusern messen wir in der Praxis regelmäßig deutlich höhere Werte.

Was im Radonvorsorgegebiet gilt

  • Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss zu messen. Überschreitet das Ergebnis den gesetzlichen Wert von 300 Bq/m³, müssen Maßnahmen zur Senkung folgen.
  • Bauherren müssen bei Neubauten zusätzliche bauliche Anforderungen zum Schutz vor Radon erfüllen. Dazu gehört, erdberührte Bauteile wie Bodenplatte und Kellerwände gegen aufsteigende Bodenluft abzudichten.
  • Eigentümern und Mietern wird empfohlen, die Radonkonzentration in ihren Wohn- und Aufenthaltsräumen messen zu lassen. Eine Pflicht besteht für Privathaushalte nicht, die hohen Gemeindemittel sprechen aber für Gewissheit.

Das Radonpotenzial im Harz auf einen Blick

Die Karten zeigen das Radonpotenzial im 10-Kilometer-Raster des Bundesamts für Strahlenschutz. Ein einzelnes Feld deckt rund 100 Quadratkilometer ab und mittelt darin über sehr unterschiedliche Lagen. Für die Einordnung einer Region ist das brauchbar, für ein einzelnes Gebäude nicht: Zwei Häuser in derselben Straße können unterschiedliche Werte haben, weil Bauweise und Keller darüber entscheiden, wie viel Bodenluft eintritt. Mit unserer kostenlosen Abfrage erhalten Sie die amtlichen BfS-Werte, abgefragt an Ihrer Adresse, dazu zwei Kartenausschnitte, einen zum Radonpotenzial und einen zum Radon in der Bodenluft, und die Einschätzung Ihrer Werte von Dr. Gerhard Binker:

Messkampagne des Landes: Der Harz wird untersucht

Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat von November 2022 bis März 2024 eine landesweite Radon-Messkampagne durchgeführt und dabei gezielt Haushalte im Südharz einbezogen. Die Auswertung ist für den Sommer 2026 angekündigt. Für Fragen betreibt das Land eine eigene Radonberatungsstelle beim NLWKN.

Der NLWKN nennt über die 3 Radonvorsorgegebiete hinaus weitere belastete Kommunen in der Region: Bad Harzburg sowie im Landkreis Göttingen die Städte und Gemeinden Osterode am Harz, Herzberg am Harz, Hattorf am Harz, Duderstadt, Gleichen und Radolfshausen. Wer dort wohnt oder arbeitet, sollte die eigene Belastung kennen, auch ohne gesetzliche Pflicht.

Radon messen im Harz

Ob Ihr Gebäude betroffen ist, klärt eine Radonmessung. Aussagekräftig ist eine Langzeitmessung mit Dosimetern über mindestens die Heizperiode, besser über 12 Monate: In der kalten Jahreszeit sind die Konzentrationen meist am höchsten, weil weniger gelüftet wird und die Heizung einen leichten Unterdruck erzeugt, der Radon aus dem Boden nachzieht.

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und vom SMUL Sachsen fortgebildete Radon-Fachperson. Die Binker Materialschutz GmbH ist eine staatlich anerkannte Messstelle des Bundesamts für Strahlenschutz für Radonmessungen. Für Arbeitsplätze im Keller- und Erdgeschoss der 3 Radonvorsorgegebiete ist die Messung Pflicht, für alle anderen im Harz der einzige Weg zu Gewissheit.

Eintrittspfade finden und sanieren

Zeigt die Messung erhöhte Werte, beginnt die Ursachensuche. Beim Radon-Sniffing spüren wir anschließend die Eintrittspfade auf: Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Schächte, durch die das Radon ins Gebäude gelangt. Gerade in den gewachsenen Ortskernen des Harzes mit Natursteinkellern und Bergbau-Vergangenheit ist diese gezielte Suche entscheidend, weil sich die Eintrittswege von Haus zu Haus unterscheiden.

Auf dieser Grundlage entsteht das Sanierungskonzept: im Bestand meist eine Radon-Unterbodenabsaugung, die die radonhaltige Bodenluft unter dem Gebäude absaugt, beim Neubau eine Radon-Drainage unter der Bodenplatte. Nach der Inbetriebnahme messen wir nach, einmal mit laufender Anlage und einmal ohne: Der Vergleich zeigt unmittelbar, was die Maßnahme bewirkt. Radonmessung, Radon-Sniffing und Radonsanierung erhalten Sie bei uns alles aus einer Hand.

Ziel aller Maßnahmen ist eine nachhaltige Radon-Reduktion deutlich unter den WHO-empfohlenen Richtwert von 100 Bq/m³ – energieeffizient und langfristig wirksam.

Radon in Ihrem Ort im Harz

Für diese Orte im Harz und im Harzvorland finden Sie bei uns eigene Beiträge:

Zum Thema außerdem: Erhöhte Radonwerte in Schulen im Harz und Niedersachsen weist Radonvorsorgegebiete im Harz aus.

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Häufige Fragen zu Radon im Harz: Radonvorsorgegebiete, Messung und Sanierung

Welche Orte im Harz sind Radonvorsorgegebiete?

Niedersachsen hat im Dezember 2020 die Kommunen Braunlage, Clausthal-Zellerfeld und die Stadt Goslar als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen. Es sind die einzigen Radonvorsorgegebiete in Niedersachsen.

Was bedeutet ein Radonvorsorgegebiet für Arbeitgeber und Bauherren?

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, die Radonkonzentration an Arbeitsplätzen im Keller- und Erdgeschoss zu messen. Überschreitet das Ergebnis den gesetzlichen Wert von 300 Bq/m³, müssen Maßnahmen zur Senkung folgen. Bauherren müssen bei Neubauten zusätzliche bauliche Anforderungen zum Radonschutz erfüllen.

Wie hoch ist die Radonbelastung im Harz?

Das Bundesamt für Strahlenschutz misst für Braunlage ein Radonpotenzial von 88,8, einen Wert weit über der obersten Stufe der BfS-Skala, die bei 50 endet. Die Radonkonzentration in der Bodenluft erreicht im Harz örtlich über 100.000 Bq/m³. Das Wohnraum-Gemeindemittel liegt in Braunlage bei 157 Bq/m³ und damit über dem WHO-Richtwert von 100 Bq/m³.

Wie finde ich die Radonwerte für meine Adresse im Harz heraus?

Mit der kostenlosen Abfrage Radon nach Postleitzahl erhalten Sie die amtlichen Werte für Ihren Ort. Ob und wie viel Radon tatsächlich in Ihrem Gebäude ankommt, zeigt nur eine eigene Messung vor Ort.

Radon Gutachter Dr. Gerhard Binker – Radonfachperson

Dr. Gerhard Binker ist eine vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz und SMUL Sachsen fortgebildete Radonfachperson und eine anerkannte Messstelle vom Bundesamt für Strahlenschutz für Radonmessungen sowie geprüfter Radonsachverständiger vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz.

Standort Bad Bentheim:
Binker Materialschutz GmbH
über R. Breitenbach
Ochtruper Str. 34 a
D-48455 Bad Bentheim

Telefon: +49 (0) 172 8103547
E-Mail: verwaltung@binker.de

Radon-Ratgeber: Was tun bei Radon?

Radon ist unsichtbar und geruchlos, und die Fragen dazu sind bei jedem andere. Der eine weiß noch gar nicht, ob er betroffen ist. Der andere hat einen Messwert vor sich liegen und kann ihn nicht einordnen. Wieder andere haben schon abgedichtet oder gelüftet und stehen vor unveränderten Werten. Der Radon-Ratgeber führt Sie mit wenigen Fragen zu dem Schritt, der in Ihrer Lage sinnvoll ist.

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